Nach dem unser Presbyterium vor gut 2 Jahren entschieden hat den sog. KU3 Projekt - Konfirmandenunterricht für Kinder im 3. Grundschuljahr - nicht mehr weiterzuführen, tritt an seine Stelle das Konfi-Camp. Es ist ein 5-tägiges Projekt mit den KonfirmandenInnen, das das 1. Jahr den gesamten KU abdeckt. Es sieht in seinem Ablauf morgendlichen Unterricht vor, am Nachmittag werden erlebnispädagogische Verantstaltungen durchgeführt, den Abend beschließt ein ausgewogenes Freizeitprogramm.

Dieses Projekt wird mit den beiden Nachbargemeinden Altenhagen und Milse durchgeführt und von den jeiweligen Gemeindepfarrern, dem Jugendwart und einem Mitarbeiterteam verantwortet.

Die guten Erfahrungen des letzten Konfi-Camps machen uns gute Hoffnungen, dass auch das diesjährige für die KonfirmandenInnen und Mitarbeiter zu einem intensiven Miteinander wird.

Hier ein Erfahrungsbericht von Thomas Biele, Evangelische Jugend - Nachbarschaft 09:

In den letzten acht Jahren ist die Arbeit mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden zu einem festen Bestandteil meines Arbeitsalltags in Altenhagen und Milse und seit letztem Jahr auch in Brake geworden. In diesem Zusammenhang sollte ich einmal beschreiben, was Konfizeit derzeit bedeutet.

Schon sprachlich hat sich vom KonfiUNTERRICHT über KonfiARBEIT die Terminologie zu KonfiZEIT weiter entwickelt.
An erschwerenden Faktoren hat sich in den letzten Jahren ergeben, dass die klassische Freizeit ein knapper werdendes Gut bei Jugendlichen ist.
Längere Unterrichtszeiten an den Wochentagen und Ausbau der Ganztagesangebote sind auch ein „ko“ für viele Kinderangebote gewesen. Als konkurrieren wir als Kirche auch mit den Sportvereinen und allen künstlerischen und sonstigen Angeboten.

Und jetzt beschreibe ich einmal, als ob es Corona nicht gäbe:
Das bedeutet, wir haben die Zeit mit den Konfis gestrafft.
Vom ersten Jahr („früher“ sagte man in Bielefeld „Katechumenenunterricht“) blieb „nur“ übrig, die Anmeldung im Herbst (das sind dann i.d.R. die Siebtklässler), der Besuch von Gottesdiensten und ein Kennenlernwochenende im Mai.
Dieses Kennenlernwochenende war gestaltet wie Projekttage (Thema: „Abendmahl“ und damit auch eine Einführung in die Bibel) am Freitagabend, den ganzen Samstag und einem Gottesdienst am Sonntag.

Danach starteten die regelmäßigen Termine: alle zwei Wochen zwei Stunden.
Für die Konfis war das ein akzeptabler Kompromiss. Wer z.B. zwei Mal pro Woche zum Training muss, „muss“ nur auf zwei von acht Terminen im Monat verzichten und durch frühe Festlegung der Sondertermine (z.B. Vorstellungsgottesdienste oder Konficamp) war der Wettkampfbetrieb an Wochenenden so gut wie nie betroffen.

Ein weiterer Schwerpunkt war seit 2012 das Konficamp. Hier waren wir in der ersten Herbstferienwoche von Montag bis Freitag oft im Harz.
An den Vormittagen gab es Arbeitseinheiten zu Schöpfung und der Auseinandersetzung mit er eigenen Person und Biographie.
An den Nachmittagen haben wir Workshops als ein „Wahl- Pflichtprogramm“ angeboten (Mountainbiken, Klettern, Handball, Fußball, Juggern, Sing star oder Kreatives z.B.).
An den Abenden gab es Hausrallye, Quiz, einen Krimi…
Beachtlich war immer die Veränderung im sozialen Miteinander der Gruppen nach dem Camp.

Bei den regelmäßigen Konfiterminen und auch den Arbeitseinheiten auf dem Konficamp stand die kreative Umsetzung theologischer Themen sehr im Mittelpunkt. Zum Thema „Schöpfung“ z.B. wurden „Menschen“ getöpfert oder als Bild der „Gemeinschaft“ Boote aus großen Pappkartons gestaltet und gebaut.
Unsere Sicht auf die Jugendlichen und die Arbeit mit den Konfis fußt maßgeblich auf dem Handbuch zum Konfikurs „Im Himmel und auf Erden – Holk 2.0“. Gerne beschreibe ich das nochmal ausführlicher.

Neben dem Kennenlernwochenende, regelmäßigen Terminen, Gottesdiensten und dem Konficamp gab es in Altenhagen oder Milse(im Wechsel) ein Weihnachtsspiel, welches selbst geschrieben und von den Konfis aufgeführt wurde. (Ja, da gibt es Anteile, die sich auch im Bibliodrama finden.)

Für mich war aus Sicht der Jugendarbeit wichtig, dass direkt nach der Konfirmation die gerade konfirmierten Jugendlichen beim Kennenlernwochenende der nächsten Konfis als Teamer mitarbeiten konnten. Diese haben dann ein Jahr lang die Gruppe begleitet und sich damit das „Recht“ erarbeitet, mit der Gruppe danach aufs Konficamp als Teamer zu fahren. Das hat in den letzten Jahren sehr gut funktioniert.
Ich glaube, die Treffpunktarbeit, die sicher in unseren Gemeindehäusern maßgeblich stattfand, ist aus unterschiedlichen Gründen in der Krise.
Den Konfirmierten eine Aufgabe zu geben, gibt ihnen einen Sinn, weiterhin ins Gemeindehaus zu kommen. Bei der ersten Stunde der Konfis 2021 in Brake waren sieben TeamerInnen der 2020er Konfis dabei. Und ich muss auch sagen, dass viele Methoden und Gruppenarbeiten ohne die Unterstützung durch diese TeamerInnen gar nicht möglich wäre.
Eine Entwicklungsaufgabe sehe ich darin, den Konfis Felder von Gemeinde zu zeigen, die über den Gottesdienst hinaus gehen.
Ich glaube, eine Mitarbeit bei kirchenmusikalischen Angeboten, bei „alt und jung“ – Gottesdienst und Garteneinsätzen ähnlich zu „bewerten“ wie Gottesdienstbesuche, würde Gemeinde für Jugendliche attraktiver werden lassen. Inhaltlich glaube ich, dass wir in der Arbeit mit Konfis unsere Stärken wie Entwicklung sozialer Kompetenz, Werte, Frieden, Sinnfragen usw. entwickeln können. Jugendlichen können sich bei uns schon in der Konfizeit als „wirkmächtig“ erleben und als TeamerInnen Verantwortung lernen.

Ja, auch dieses Thema hat sich bei mir entwickelt und auch mit der Krise der Freizeitangebote (s.o.) zu tun. Gerne will ich die Arbeit mit den Konfis im Gespräch mit allen Interessierten weiterentwickeln und hoffe, dass das Gemeindehaus in Brake immer wieder ein Lebensort für Jugendlichen werden kann.